Der Golftruck Blog: Die Wahrheit über die Driver-Schlagweiten

24.04.2017

Die Wahrheit über die Driver-Schlagweiten

Eine Frage: Wie weit schlagen Sie ihre Ball (im Durchschnitt) mit Ihrem Driver? Denken Sie bitte nur 1 Sekunde darüber nach, und schreiben Sie diese Zahl dann auf.

Ok ... und ... wie weit schlagen Sie wirklich Ihren Driver? Schreiben Sie diese Zahl bitte ebenfalls auf.

Sehen beide Zahlen gleich aus? Wenn ja, dann belügen Sie sich wahrscheinlich gerade selbst! Wir alle kennen ein paar Golfer (oder ziemlich viele), die lügen, wenn es darum geht, wie weit sie ihren Drive schlagen. Doch die Frage ist ... gehören Sie auch dazu?

Anhand der Ergebnisse der neuesten Studie von MyGolfSpy Labs werden Sie überrascht sein, wie sehr sich viele Menschen irren, wie weit sie den Ball mit dem Driver schlagen. 

Die Zahlen sind schockierend!

Das Testverfahren

Die Studie sah folgendermaßen aus: 10 Golfer mit unterschiedlichen Handicaps wurden befragt, wie weit sie einige Schläger schlagen (also die Schlagweite insgesamt; Carry plus Roll). Und zwar den Driver, das Eisen 5, das Eisen 7 und das Pitching Wedge (hier nur Carry). 

Danach musste jeder Golfer insgesamt 5 Bälle mit den Schlägern am Launch-Monitor schlagen. Die Tester waren Pat (HCP 15), Dave (HCP 23), Michael ( HCP 13), Tom (HCP 5), Rich (HCP 18), Mike (HCP 30), Joel (HCP 13), Dan (HCP 17), Danny (HCP 8) und Meredith (HCP 7).
Die Ergebnisse finden Sie in der Grafik.

Der Entfernungs-Reality Check

100% aller Tester haben sich geirrt, wie weit sie den Ball schlagen! Insbesondere wie weit sie den Driver schlagen.

90% aller Tester haben sich geirrt, wie weit sie ihr Eisen 5 schlagen. Von insgesamt 200 Schlägen waren 116 Schläge (58%) außerhalb der Toleranzgrenze von 5 Metern gegenüber der abgegebenen Schätzung.

Es gab eine eindeutige Korrelation zwischen dem Handicap der Spieler und dem Wissen/Schlagen der korrekten Distanzen. Der Spieler mit dem niedrigsten Handicap (-5) traf 18 von 20 Schlägen im Radius von 5 Metern um seine Schätzwerte. Der Spieler mit dem höchsten Handicap (-30) verpasste seine Schätzung für den Driver um erstaunliche 78 Meter!

Es waren 11 Sessions von 40, in denen die Probanden keinen einzigen Schlag mit einem bestimmten Schläger innerhalb von 5 Metern um ihre Schätzung erreichten. 

Überraschenderweise für den Driver genau so viele, wie für das PW und Eisen 7 –  jeweils zweimal. Das Eisen 5 dagegen war gleich fünfmal vertreten!

Die Testpersonen trafen im Durchschnitt fast genau so viele Schläge im Umkreis von 5 Metern mit dem Eisen 5 wie mit dem Driver (1,4 Mal vs. 1,3 Mal).

Der Entfernungs-Reality Check 2



Also ... was sagen uns all diese Daten genau?

1. Ihr Longest Drive ist nicht der Durchschnitt!

Der durchschnittliche Golfer hat anscheinend keine Ahnung davon, was ‚Durchschnitt’ bedeutet. Stellen Sie ihm die Frage, wie weit er seinen Driver im Durchschnitt schlägt, so erhalten Sie als Antwort, was sein bester Drive war. Viele Golfer scheinen keine wirkliche Erinnerung an die vielen Drives zu haben, welche hoch und/oder rechts weg segelten, sondern nur an die, welche lange und gerade flogen. Während man dies aus psychologischer Sicht nachvollziehen kann, erweist sich diese Selbsttäuschung letztlich als Bärendienst.

Wenn Sie keine ehrliche Einschätzung geben können, wie weit (und in welche Richtung) ihr Ball in der Regel fliegt, wie können Sie sich dann wirklich verbessern?


2. Mit dem Eisen 7 und dem PW sind alle Golfer ziemlich genau

Die meisten Golfer waren recht erfolgreich mit ihren Eisen 7 und denmPitching Wedge unterwegs. Die Daten der „Pitching Wedge-Sessions“ zeigen, dass 8 von 10 Tester mindestens 3 von 5 Schlägen innerhalb von 5 Metern um ihre Schätzung platzieren konnten. Außer den beiden Testern Dan (-17) und Danny (-8) unterschätzten sogar alle anderen Spieler ihre Pitching Wedge-Längen etwas. Beim Eisen 7, wiederum um die Werte von Dan und Danny bereinigt (sorry Jungs), war die Differenz zwischen den Schätzungen und den tatsächlichen Entfernungen insgesamt nur 3,5 Meter. Das ist gutes Golf!

3. Schockierende lange Eisen

Der durchschnittliche Golfer muss seine langen Eisen loswerden, wozu anscheinend jetzt auch schon das Eisen 5 gehört. Nur die Spieler mit den 4 niedrigsten Handicaps trafen alle Schläge in einem durchschnittlichen Umkreis von 10 Metern um ihre Schätzungen. Die anderen 6 trafen jeweils nur 1 Schlag innerhalb von 5 Metern um ihre Schätzung. Auch wenn man die beiden Golfer Dan und Danny wieder herausrechnet, welche ihre Schätzungen um über 40 Meter verpassten, ergibt sich immer noch eine durchschnittliche Differenz von 15 Metern. Das kann der Unterschied zwischen einem Ball auf dem Grün und einem Ball im Wasserhindernis sein. Man kann das jetzt auf schlechte Schlagtechnik, mangelnde Schlägerkopfgeschwindigkeit, zu hohe Lofts, oder auf alle drei der genannten Punkte schieben, doch Fakt ist, dass der Durchschnittsgolfer sein Eisen 5 nicht mit genügend Konsistenz schlagen kann.



4. Course Management

Nach Auswertung dieser Daten sollten viele Golfer über die Auswahl der richtigen Tee-Box nachdenken. Wenn wir akzeptieren, dass die durchschnittliche Schlagweite mit dem Driver bei etwa 197 Meter liegt, und die durchschnittliche Eisen 5 Länge bei circa 148 Meter (beides Entfernungen, welche vor allem durch die Tester mit den niedrigen Handicaps so groß geworden sind; aber lassen wir das mal so stehen), dann sollte der durchschnittliche Golfer keine Tee-Box wählen, die ihn an einem durchschnittlichen Par 4 dazu zwingt, mehr als 350 Meter überwinden zu müssen. Ebenso sollten er einen Blick auf die Par 3 Längen werfen. Wenn sie mehr als 150 Meter lang sind, was werden Sie wohl treffen? Mit großer Wahrscheinlichkeit nicht das ersehnte Grün! 180 Meter und mehr Par 3's sind immer häufiger, aber das bedeutet nicht, dass sie sinnvoll sind. Oder macht ein 3er-Holz am Abschlag eines Par 3 wirklich Spaß?

Wenn man also weiß, dass man mit dem Eisen 7 in mehr als 50% aller Fälle die richtige Entfernung trifft, und mit dem Pitching Wedge sogar in fast 75%, dann sollte man eigentlich nur noch seine kurzen Eisen spielen. Nur ist es eben nicht so cool, den Ball vorzulegen! Aber wenn das Ziel des Spiels ist, den Ball mit so wenig Schlägen wie möglich ins Loch zu bekommen, müssen wir uns eingestehen, dass ein Schlag mit einem langen Eisen in ein gut geschütztes Grün für die meisten Golfer keine gute Idee ist!

5. Die Moral

Seien Sie ehrlich zu sich selbst! Gehen Sie auf die Driving Range und testen ihre wahren Schlägerlängen! Oder, noch besser, kommen Sie zu uns und finden Sie am Launch-Monitor heraus, wie weit Ihre Schläger wirklich gehen. Nicht "wie weit sie das eine Mal gingen, als es bergab, in Windrichtung, während der Dürre 2012 gingen", sondern wie weit Sie im Durchschnitt schlagen. Und bauen Sie dann Ihr Spiel anhand dieser Daten auf! Oder holen Sie sich professionelle Hilfe, um den Ball besser zu treffen. Oder lassen Sie sich Ihre Schläger fitten! Aber bitte seien Sie kein Lügner!