Der Golftruck Blog: Muss ein Zähler seinen Mitspieler zählen?

13.06.2017

Muss ein Zähler seinen Mitspieler zählen?

Muss ein Zähler seinen Mitspieler zählen?Man hört im Turnier sehr oft Sätze wie: "Kannst Du nicht einmal richtig zählen!", "Ich muss meine Schläge nicht zählen, denn Du bist mein Zähler! Und Du musst mich zählen!“, Du musst doch wissen, was ich für einen Score am letzten Loch hatte!", "Warum fragst Du an jedem Abschlag, was Du mir aufschreiben sollst?" Wir haben uns dazu das aktuelle Regelwerk angeschaut und für Euch die wichtigsten Fakten zusammengetragen.

Vorab wie immer die Kurzform, für Freunde der gepflegten Diskussion im Clubhaus :-) ...

...Der Zähler schreibt die Schlagzahl des Spielers nur auf! Nach jedem Loch sollte der Zähler die Schlagzahl mit dem Spieler vergleichen und aufschreiben. Nach Beendigung der Runde sollte der Spieler seine Schlagzahl für jedes Loch nachprüfen und muss die Unterschrift des Zählers sicherstellen.

Was ist ein Zähler?

"Zähler ist jemand, den die Spielleitung zum Aufschreiben der Schlagzahl eines Bewerbers im Zählspiel bestimmt hat. Er kann ein Mitbewerber sein. Er ist kein Referee.“ (vgl. Erklärung Zähler in Regel 6 - A 'marker' is one who is appointed by the Committee to record a competitor's score in stroke play. He may be a fellow-competitor. He is not a referee.) Der Spieler allein ist für die Einhaltung der Regeln verantwortlich.

Die weitläufige Meinung, dass ein Zähler wirklich den Spieler zählen muss, kommt noch aus der Zeit vor 1984. Damals stand nämlich noch in der betreffenden Erklärung zum Zähler: "A 'marker' is a scorer in stroke play who is appointed by the Committee to record a competitor's score. He may be a fellow-competitor. He is not a referee."

Somit musste bis 1984 der Zähler auch wirklich mitzählen. Seit 1984 steht in derselben Erklärung geschrieben, dass der Zähler den Score nur aufzeichnen muss (siehe oben „record“). Warum diese Änderung an der Erklärung durch die R&A? Wir wissen es nicht. Wenn es der R&A daran gelegen hätte, dass der Zähler weiterhin mitzählen soll, dann hätten sie sicherlich nicht gerade das Wort "scorer" aus der Erklärung zum Zähler entfernt.

Der Zähler ersetzt auch nicht die Spielleitung! Er kann keine Strafen aussprechen! Der Spieler ist allein verantwortlich für seine Handlungen während der Runde und entscheidet immer selbst. Der Zähler hat nur die Möglichkeit, Zweifel anzumelden und anzukündigen, dass er den Fall, spätestens vor dem Unterschreiben der Scorekarte, mit der Spielleitung klären möchte.

Auf englisch heißt der Zähler „Marker". Er markiert/notiert also nur die vom Spieler angegebene Schlagzahl auf der Scorekarte. Für das korrekte und leserliche! Aufschreiben auf der Scorekarte ist der Spieler verantwortlich!

Es hängt also eher von der Spielstärke und der mentalen Verfassung des Zählers ab, ob er sich intensiv um seinen Mitspieler kümmern und dessen Schläge wirklich zählen kann, oder sich vollständig auf sein eigenes Spiel konzentriert. Es reicht also völlig aus, sich als Zähler den Score vom Spieler am nächsten Abschlag nennen zu lassen und zu notieren.

Bestätigt wird dies auch durch Regel 9-3: "Ein Bewerber, der sich eine Strafe zugezogen hat, sollte seinen Zähler sobald wie durchführbar davon in Kenntnis setzen." Somit ist der Zähler nicht verpflichtet, den Spieler, dessen Vorgehen auf dem Platz, sowie dessen Schläge permanent im Blick zu haben, sich immer in der Nähe des Balls des Mitspielers zu befinden und so weiter. Er muss die Schläge seines Mitspielers nicht zählen sondern höchstens grob einschätzen können.

"Spirit of the Game"

Es ist sicherlich nicht im "Geiste des Spiels", dass man seine Konzentration auf das eigene Spiel immer wieder unterbrechen muss, um das Spiel eines anderen zu kontrollieren. In einem Gentlemens Game sollte man auf die Ehrlichkeit der Gentlemen & Women vertrauen können!

Darf ein Zähler Strafschläge vergeben?

Der Zähler ist kein Referee und kann nur für die ihm vom Spieler angezeigten Regelverstöße entsprechende Strafen aufschreiben. Dabei hat er keinen Ermessensspielraum, z.B. eine Strafe nicht aufzuschreiben. Wenn Spieler und Zähler sich über die Anwendung einer Regel nicht einig sind, oder der Zähler einen nicht angezeigten Regelverstoß des Spielers vermutet, sollte nach der Runde eine Entscheidung der Spielleitung eingeholt werden. Die Scorekarte sollte in so einem Fall von beiden Parteien erst nach der Entscheidung der Spielleitung unterschrieben werden.

Auszug aus den aktuellen Golfregeln


Regel 6-6a - Schlagzahlen aufschreiben

Nach jedem Loch sollte der Zähler die Schlagzahl mit dem Bewerber vergleichen und aufschreiben. Bei Beendigung der Runde muss der Zähler die Zählkarte unterschreiben und sie dem Bewerber aushändigen. Schreiben mehr als ein Zähler die Schlagzahlen auf, so muss jeder den Teil unterschreiben, für den er verantwortlich ist.
„Sollte" heißt hier, dass weder der Abgleich der Ergebnisse noch das Aufschreiben zwingend nach jedem Loch erfolgen muss. Es wird aber dringend empfohlen, insbesondere zur Vermeidung späterer Diskussionen.

Regel 6-6b - Zählkarte unterschreiben und einreichen

Nach Beendigung der Runde sollte der Bewerber seine Schlagzahl für jedes Loch nachprüfen und alle zweifelhaften Einzelheiten mit der Spielleitung klären. Er muss die Unterschrift des Zählers oder der Zähler sicherstellen, die Zählkarte gegenzeichnen und sie so bald wie möglich der Spielleitung einreichen.
Demnach ist der Spieler dafür verantwortlich, dass seine Karte richtig ausgefüllt und lesbar beschrieben wurde und ebenso, dass seine Zählkarte bei der Spielleitung abgegeben wird.

Regel 6-6d - Falsche Schlagzahl für das Loch

Der Bewerber ist dafür verantwortlich, dass die für jedes Loch auf seiner Zählkarte aufgeschriebene Schlagzahl richtig ist. Reicht er für irgendein Loch eine niedrigere als die tatsächlich gespielte Schlagzahl ein, so ist er disqualifiziert. Reicht er für irgendein Loch eine höhere als die tatsächlich gespielte Schlagzahl ein, so gilt die eingereichte Schlagzahl.

Schlusswort:

Unstimmigkeiten sind nicht nur ärgerlich, sondern können auch zu Disqualifikationen führen. Kurze Abstimmungen zwischen Spieler und Zähler während der Runde über die Schlagzahl der vorherigen Lochs sind somit keineswegs nervig oder unnötig, sondern absolut sinnvoll!